Konzertbericht: So war “Beats auf der Bahn”

Und dann gab es plötzlich diesen Moment. Diesen einen Moment, in dem die Gegenwart um 15 Jahre zurückspult wird und man sich im Körper des jugendlichen Ichs wiederfindet.

Fünf Sterne Deluxe, die Jungs um Das Bo und Tobi Tobsen, die mittlerweile auf anderen Wegen Geld verdienen (Bo mit Casting Shows und Tobi mit moonbootica) hatten den Grundstein gelegt. Ob “Silium”, “Die Leude” oder “Türlich, türlich”: Das hier war Hamburg, das waren die 90er. Dass so mancher Einsatz versemmelt wurde: geschenkt. Immerhin handelte es sich um die erste Show seit sehr vielen Jahren. Auch sonst Spielfreude, die von Minute zu Minute stieg. Dankbar natürlich vor ausverkauftem Haus und 15.000 Hamburgern und Zugereisten. Dass ein Song Playback lief und die komplette Mannschaft am Ende des Konzertes von Sanitätern von der Bühne getragen wurde, gehörte ebenfalls zum Konzept.

Und dann kam der Moment.

Die Beginner in Bestbesetzung auf der Bühne. Eizi Eis hatte sich aus seinem Jan Delay Anzug geschält und in beste Hip Hop Klamotten geworfen, der Fuchs wachte stolz von seinem Bühnenbanner und einige Songs waren gespielt. Da ertönten die ersten Klänge von “City Blues” und wenn der gemeine Hamburger ein nicht so zurückhaltender Typ wäre, wildfremde Menschen hätten sich in den Armen gelegen.

Ich sage Hamburg ist die Hälfte von 2.
Die Schönste, die Nr. 1, dass Gelbe vom Ei.

1998 war back on Stage. Das erste Konzert seit 10 Jahren in der Heimat wurde ein Triumphzug. Zahlreiche Gäste wie Ferris MC, Das Bo, Platin Martin (Eines der Ursprungsmitglieder der Absoluten Beginner) und D-Flame kamen auf die Bühne und lieferten ab.

Höhepunkt war aber eindeutig “Füchse” mit Samy Deluxe. Neue Songs wurde keine gespielt und man darf davon ausgehen, dass es einfach keine gibt. Zuviel Spaß schienen Denyo und Jan mit den alten Sachen zu haben. Heute wird gerappt, nicht gesungen.

Den Abschluss gaben dann Deichkind und führten die Besucher zurück in die Gegenwart. Oder in die Zukunft. Während wir heute ironisch zu Blümchen tanzen, werden wir das in 20 Jahren zu Deichkind tun. Und vielleicht war es sogar ganz gut, dass es keine Änderungen der Setlist gab, Deichkind also nicht den Blick zurück auf ihre Hip-Hop-Zeit lenkten. Immer nur zurück zu blicken, hilft schließlich keinem.