Max Herre – Hallo Welt

Er ist wieder da. Max Herre hat zurück gefunden in die Gewänder des Soulguerillo. 3 Jahre nach seinem letzten Soloalbum „Ein geschenkter Tag“ geht es rückwärtsgewandt nach vorn. Zurück zu den Wurzeln, um mit alter Stärke zu neuen Ufern aufzubrechen. Dabei hat sich der ehemalige Freundeskreis-Frontmann so illustre Gäste wie Aloe Blacc, Philipp Poisel, Clueso, Cro, Materia, Samy Deluxe oder Patrice eingeladen.

Irgendwas war ihm die letzten Jahre abhanden gekommen. War es der Spaß, die Wut oder doch der Rap? Im Nachhinein betrachtet, fehlte es den Alben nach der Freundeskreis-Ära wohl vor allem am Feuer, das der Stuttgarter für „Hallo Welt“ neu entfacht hat. „Hallo Welt“ ist nicht nur ein neues Album, sondern kommt direkt als Piratensender daher, der nun auf allen verfügbaren Frequenzen funkt. Hier tanzt der Soul mit dem Reggae, hier wird Hip Hop von südamerikanischen Einflüssen umarmt.

Und dann geht es los, wie zu alten Freundeskreis-Zeiten. Hier will jemand „nicht weiter hadern, sondern wieder von vorn beginnen“ und spürt „das Erbe von FK auf den Schultern“. In den wenigen Minuten von „Aufruhr (Freedom Time)“ wird mal eben ein Manifest über den arabischen Frühling, die Occupy-Bewegung und die Utopie einer friedlichen Welt geschrieben. Die Melodie des Frühlings, die am Fenster von Frieden erzählt.

Max Herre schafft es jede Form von Kritik hoffnungsstiftend und positiv zu verpacken, sodass Wehmut keinen Platz findet.

„Jeder Tag zuviel“ scheppert mit Bläsern und Schlagzeug los und ist der Abgesang auf das aktuelle politische (Finanz-)System. Sinnbildlich das bluesige Ende, das von Joy Denalane getragen wird. In „Solang“ werden die Ratschläge persönlicher. „Gibt es etwas woran wir glauben können“ in der heutigen Zeit? Max Herre scheint dem Hörer zuzurufen „Mach was aus deinem Leben. Verwirkliche dich!“. Endgültig zum Einsturz gebracht, wird das politische System zusammen mit Samy Deluxe in „Einstürzen Neubauen“. Hier ist jede Line ein Grower, hier regiert die zornige „Macht der Wörter“. „Mach kaputt, was dich kaputt macht“ in Reminiszenz an Rio Reiser. Aus Facebook wird ein asoziales Netzwerk, egal ob alte Welt oder neuer Traum, „reiß die Mauern ein, Stein für Stein“. 20 Jahre geht es in „1992“ zurück, das mit seinen Oldschool-Beats und der Art zu rappen ohne Probleme aus diesem Jahr stammen könnte.

Natürlich finden sich auch persönlich motivierte Tracks auf dem Album. Zum Beispiel „Wolke 7“, getragen vom gefühlvollen Refrain mit Philipp Poisel oder „Fühlt sich wie fliegen an“, bei dem Clueso und Cro viel Funk und Soul zum flockigen Dancegroove mit beisteuern. Nebenbei wird mal eben ein alter Joe Cocker-Klassiker zu „So wundervoll“ und nur weil er es kann, gibt es den Track „Dududu“ noch einmal auf ein Lenny Kravitz-Sample („Nicht vorbei“).

Das bewegenste Lied ist aber eindeutig das Duett mit Sophie Hunger, welches die deutsche Vergangenheit an der Geschichte eines jüdischen Mädchens thematisiert. Schlichtweg ergreifend und zu Tränen rührend. Während sich der sanfte Bossanova-Jazz-Beat zu leisen Klavierklängen nach vorn schiebt, spricht die Schweizerin als hoffnungsschenkender Stern zum Kind. Selten hat es ein Künstler in drei Minuten geschafft, einer jungen Generation mit so hoher Intensität die eigene Vergangenheit klar zu machen.

Der Wortakrobat, Prediger, Sänger und Rapper liefert hier mindestens eines der Alben des Jahres. Er kann es noch. Oder um mit Max Herre selbst zu sprechen: „Bevor es in den Brunnen fällt, bringen wir dem Kind schwimmen bei„

Live:
14.10.2012 München – Muffathalle
15.10.2012 Dortmund – FZW
16.10.2012 Bremen – Modernes
17.10.2012 Köln – E-Werk
19.10.2012 Wien (A) – Arena
20.10.2012 Ulm – Roxy
21.10.2012 Offenbach – Capitol
22.10.2012 Hamburg – Große Freiheit
24.10.2012 Münster – Skater’s Palace
25.10.2012 Dresden – Reithalle
27.10.2012 Berlin – Astra Kulturhaus
28.10.2012 Nürnberg – Hirsch
29.10.2012 Stuttgart – Theaterhaus
30.10.2012 Zürich (CH) – Komplex 457

www.maxherre.de
www.facebook.com/MaxHerre
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